Hinweis vorneweg: Falls du letzte Woche vergeblich auf einen Artikel von mir gewartet hast, möchte ich mich bei dir dafür entschuldigen. Der Grund dafür war, dass mich das folgende Thema sehr beschäftigt hat.

Die Entscheidung für die Mitgliedschaft in einer Partei sollte eine wohl überlegte sein, denn im Idealfall investiert man darin viel Zeit und Engagement, um Dinge besser zu machen und zu verändern. Dementsprechend wichtig finde ich es, dass eine Partei zu seinen Ansichten und einem selbst im Großen und Ganzen passt, denn schließlich möchte man seine Zeit sinnvoll einsetzen. Dieser Prozess der Entscheidungsfindung mündete bei mir vor bald zwei Jahren darin, dass ich in die SPD eingetreten bin. Dabei zählte ich dann zum Kreisverband Ingolstadt bzw. dort zum Ortsverein Süd. Darüber hinaus war ich bei den Jusos aktiv.

Ich möchte im Folgenden ein wenig den Weg vom Anfang meines politischen Interesses bis hin zum Eintritt in die SPD, dem Austritt sowie meine zukünftigen Absichten in Sachen Partei bzw. Politik im Allgemeinen erläutern. Bevor ich damit starte, möchte ich noch eines vorwegnehmen: Du darfst im Folgenden keine emotionale „Abrechnung“  o.Ä. mit der SPD oder Politik im Allgemeinen erwarten, sondern vielmehr eine subjektiv gefärbte Darstellung der vielschichtigen Gründe, die letztendlich zu meinem Austritt geführt haben.

Wie alles begann

Ich könnte jetzt einen nostalgischen Einstieg wählen wie etwa „es war einmal…“, doch das möchte ich dir nicht zumuten. Deshalb nun richtig: Ich entdeckte mein allgemeines Interesse für Politik recht früh, so in etwa in der achten oder neunten Klasse am Gymnasium. Dort kam ich mit dem Thema vor allem im Sozialkundeunterricht in Berührung, habe dabei sehr gerne mit meinen Klassenkameraden und insbesondere auch mit dem Lehrer über politische Themen diskutiert. Doch dabei beließ ich es zu der Zeit auch.

Doch dann kam langsam aber sicher die Oberstufe und die damit verbundene Wahl eines Wissenschaftspropädeutischen Seminars (W-Seminar). Dabei stach mir sofort ein Seminarthema ins Auge, dessen genauen Titel ich allerdings nicht mehr weiß. Auf alle Fälle ging es um Parteien, speziell auf lokaler Ebene. Da das Thema (wen überracht es?) bei dem Groß meiner Mitschüler gar nicht so beliebt war, bekam ich meine Erstwahl ohne Probleme und schrieb damit in der elften Klasse eine Seminararbeit mit dem Titel „Chancen und Grenzen alternativer politischer Strömungen in Ingolstadt“.

Als Vorarbeit traf ich mich, zusammen mit einigen Mitschülern, mit (fast) allen politischen Parteien, die zu der Zeit im Stadtrat von Ingolstadt vertreten waren. Zu dieser Zeit wurde mein Interesse für politische Themen richtig geweckt. Doch in der Zeit rückte dann langsam das Abitur und der Beginn des Studiums näher, weshalb die Priorität nicht beim politischen Engagement lag. Als ich mich dann langsam an das Leben eines Studenten gewöhnt hatte, entschloss ich Ernst zu machen. Am naheliegendsten war dabei für mich das politische Engagement in einer Partei und so bin ich dazu gekommen, in die SPD einzutreten.

Meine Gründe für den Eintritt

Mir wurde bis zuletzt häufig die Frage gestellt, warum ich denn der SPD beigetreten bin. Nicht selten klang da auch ein gewisser Vorwurf mit. Darauf entgegnete ich oftmals mit einer Auflistung der Gründe, die zum Eintritt geführt haben. Diese Gründe möchte ich im Folgenden noch einmal darstellen.

  • Die Idee einer sozialen Marktwirtschaft gefiel mir…
  • Soziale Gerechtigkeit empfand ich als extrem wichtig…
  • Der Gedanke, eine etablierte Partei könne besser Ideen realisieren als kleine(re) Parteien…
  • Ich wollte etwas bewegen und über verschiedene Themen offen diskutieren…

Ich fand zu diesem Zeitpunkt, dass die SPD für die oben genannten vier Punkte eine gute Anlaufstelle sei. Dies kann ich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr behaupten.

Meine Gründe für den Austritt

Als ich den Entschluss gefasst hatte, nicht mehr Mitglied der SPD sein zu wollen, stieß ich, im Gegensatz zum Eintritt, auf deutliche Zustimmung: „Ja, da hast du Recht Julian! Ich wusste eh nie, warum du dich für die engagierst.“ Ich möchte dem an dieser Stelle möglicherweise aufkeimenden Gedanken, dass ich durch die „öffentliche Meinung“ manipuliert wurde, entschieden entgegentreten. Nichtsdestotrotz kann ich natürlich nicht gänzlich ausschließen, dass das geringe Ansehen der SPD in vielen Teilen der Bevölkerung unbewusst auch zu der Entfremdung beigetragen hat. Doch kommen wir zu den wesentlichen Gründen.

  • Wenige sinnvolle Konzepte um das Buzz-Wort „Soziale Gerechtigkeit“ auch Realität werden zu lassen
  • Festgefahrene Strukturen ohne Agilität
  • Überwiegend männliche, ältere und „weiße“ Männer
  • Fokus auf Posten Gewinn/Erhalt statt auf Sachpolitik
  • Gefühl nichts bewegen zu können

Darüber hinaus kam noch ein weiterer Aspekt dazu, der mir erst in letzter Zeit immer klarer wurde. Dieser betrifft weniger die SPD, sondern vielmehr meine eigenen Ansichten. Ich habe festgestellt, dass mir ein gewisses Maß an Liberalität, neben dem sozialen Fokus, mit am wichtigsten ist. Diese Erkenntnis hat letztlich beim Thema Austritt das Fass zum überlaufen gebracht, da die SPD meiner Meinung nach weit davon entfernt ist, liberal zu sein. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist dabei nur ein Beispiel.

Meine zukünftigen Absichten

Abschließend komme ich zu einem Punkt, der mich ebenso bereits seit einiger Zeit beschäftigt: Meine zukünftigen Absichten in Sachen Politik. Mich interessieren politische Themen nach wie vor sehr stark und ich wäre auch gerne bereit, einen Teil meiner Freizeit in ein solches Engagement sinnvoll zu investieren. Allerdings sehe ich in der aktuellen deutschen Parteienlandschaft keine Möglichkeit meine zwei wesentlichen Ansichten „sozial“ und „liberal“ sinnvoll zu vereinbaren. Dementsprechend werde ich mein politisches Engagement in nächster Zeit erst einmal auf Beiträge auf diesem Blog beschränken. Aber trotzdem bleibe ich grundsätzlich offen für Neues bezüglich eines Engagements in einer politischen Partei. Die Zukunft wird zeigen, wie es in der Hinsicht  bei mir weitergeht 🙂